Das größte Promi-Gruppen-Coming-out EVER!

Quickie vom 13. Feb. 2021, eingestellt von StevenStgt
gayrechte  |   Homosexuellen Darstellern und Darstellerinnen werde oft nicht zugetraut, heterosexuelle Rollen authentisch zu spielen, berichtet Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), der dpa.
Das hat auch Ulrike Folkerts erlebt, bekannt vor allem aus dem Ludwigshafener "Tatort". Der dpa berichtet sie: "Ich wurde für eine Mutterrolle gecastet, aber als die Regisseurin erfuhr, dass ich lesbisch bin, hat sie mir abgesagt", erzählt die 59-Jährige. "Das ist Diskriminierung. Natürlich kann ich eine Mutter spielen."

Oft ist der Druck von außen groß. Selbst Agenten und Agentinnen rieten queeren Menschen, sich lieber nicht öffentlich zu outen - aus Angst, keine Hetero-Rollen mehr angeboten zu bekommen, erzählt Jenny Luca Renner, LGBT-Vertreterin im ZDF-Fernsehrat, der dpa. Auch deshalb haben einige Darstellerinnen und Darsteller abgelehnt, bei der Action mitzumachen, zumindest fürs erste.

So sind es vorerst 185 Menschen, die eine Debatte anstoßen. Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm", erzählt Godehard Giese ("Babylon Berlin"). Dabei seien sie "mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar". Von vielen ist bekannt, dass sie lesbisch, schwul, trans oder bi sind. Andere outen sich zum ersten Mal. "Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es - das ist unser Beruf", betonen sie in ihrem Manifest. Das gemeinsame Outing hat manchem geholfen, die Angst vor dem Karriereknick zu überwinden. "Die Kraft und den Schutz der Masse genutzt. Großartig", kommentiert ZDF-Fernsehrätin Renner.

Doch bis zur völligen Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg. Schauspieler André Eisermann ("Kaspar Hauser") betont, ein Teil der Gesellschaft habe noch immer ein Problem damit, wenn Menschen offen zu ihrer Homosexualität stehen. "Solange es solche Menschen gibt - leider auch in den "Fachkreisen" -, wird es nicht gleichgültig sein, ob jemand schwul oder lesbisch ist", sagt er der dpa. Und TV-Kommissarin Folkerts beklagt eine falsche Toleranz. Heterosexuelle erhielten Preise für die Darstellung von Homosexuellen. "Da heißt es dann: Wie mutig! Und dass der oder die sich das traut", sagt sie. "Ich bin ja auch nicht Polizistin, spiele aber eine Kommissarin."

Auch deshalb nehmen Forderungen zu, dass queere Rollen nur von queeren Menschen gespielt werden sollten. Zuletzt betonte der britische Autor Russell T. Davies ("Queer as Folk", "Years and Years"), er besetze Homosexuelle nur noch mit Homosexuellen. Es gehe um Authentizität, sagte Davies. Folkerts sagt, sie sei zwar anderer Meinung, könne aber diese Haltung nachvollziehen. "Das spricht für eine Sensibilisierung allen LGBTI-Menschen gegenüber." LGBTI steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans* und Inter*.
Quelle: LSVD
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