Beschwerden über ARD-Tatort: „Die Amme“

Quickie vom 1. April 2021, eingestellt von StevenStgt
gayrechte  |   Der Wiener ARD-Tatort „Die Amme“, der letzten Sonntag ausgestrahl wurde schürt alte Vorurteile – und ist damit ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht von Transpersonen.

Fast jeden Tag wird irgendwo auf der Welt eine Transperson ermordet: 331 tödliche Angriffe zählte das Projekt Trans Murder Monitoring für das Jahr 2019. 3314 Morde in 74 Staaten seit dem Beginn der Zählung im Jahr 2008. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Und trotzdem reproduziert nun ein ARD-Tatort wieder das Bild des unheimlichen Mörders in Frauenkleidern. Im Tatort „Die Amme“ schlüpft ein als männlich gelesener drogenabhängiger Mensch, der mehrere Frauen ermordet und deren Kinder entführt hat, immer wieder in einen Rock, schminkt sich, setzt eine langhaarige Perücke auf, bezeichnet sich als „Mama“ der ans Bett geketteten Kinder. Warum er das tut, bleibt unklar. Traumatische Erfahrungen in der eigenen Kindheit werden angedeutet, zum Schluss verschmilzt das Gesicht für einen gruseligen Augenblick mit dem der (mutmaßlichen) Mutter.

Vieles spricht dafür, dass die dargestellte Person Janko im ARD-Tatort nicht trans ist. Doch darauf kommt es nicht an. Es ist nicht zuletzt die mediale Darstellung, die Transfeindlichkeit immer wieder schürt: Männer, die Frauenkleider anziehen, so die Botschaft, sind schräg, krank, gefährlich.
Quelle: LSVD
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